AgNes-Reform stellt Netzentgelte auf den Kopf

Was sich bei den Stromnetzentgelten ändert und warum Unternehmen jetzt handeln sollten

Rund 37 Milliarden Euro zahlen Stromkunden in Deutschland jedes Jahr für die Nutzung der Netze. Die Netzentgelte machen rund 30 % der Stromrechnung aus. 

Wie diese Summe in Zukunft verteilt werden soll, soll in den kommenden Jahren grundlegend neu gedacht werden. 

Mit der geplanten AgNes-Reform wird das System der Stromnetzentgelte grundlegend neu aufgestellt. Die Reform ist zwar noch nicht final beschlossen, die Orientierungspunkte der Bundesnetzagentur zeigen jedoch klar die Richtung an. Nach aktuellem Stand soll die neue Systematik ab 2029 greifen und die StromNEV ablösen.

Ziel der Reform ist es, die Kosten künftig stärker danach zu verteilen, wie das Netz tatsächlich genutzt wird. Unternehmen mit flexiblem, netzdienlichem Verhalten könnten künftig stärker von der neuen Systematik profitieren – insbesondere dann, wenn dynamische Anreizkomponenten eingeführt werden. Den Netzentgelten kommen zukünftig also zwei zentrale Rollen zu: die Finanzierung des Netzes und Steuerung des Netznutzungsverhaltens. Letztere soll stärker beeinflussen, wann und wie Strom genutzt oder eingespeist wird, damit das Netz effizienter ausgelastet wird.

Warum das bestehende System nicht mehr ausreicht

Die heutigen Regeln stammen aus einer Zeit, in der Strom noch hauptsächlich zentral über Kraftwerke erzeugt und dann zu den Verbrauchern transportiert wurde. Heute ist das System deutlich komplexer: Strom wird dezentral erzeugt, Unternehmen betreiben eigene Anlagen und die Anforderungen an das Netz durch volatile Erzeugung, Elektromobilität und anderer elektrische Verbraucher (z.B. Wärmepumpen) werden immer höher. Gleichzeitig steigen die Kosten für Netzausbau und Betrieb deutlich, während die Zahl der klassischen Zahler sinkt.

Das bestehende System passt dazu immer weniger. Es verteilt Kosten nicht mehr fair, setzt kaum Anreize für ein sinnvolles Verhalten im Netz und stößt an Grenzen, wenn es um die Finanzierung des Netzausbaus geht. Heute tragen vor allem die Privathaushalte die Kosten für das Stromnetz, obwohl viele andere das Netz genauso nutzen.

Für Unternehmen bedeutet das eine grundlegende Änderung wie sich der Strompreis künftig zusammensetzen wird.

 

Was sich konkret abzeichnet:

  • Kosten orientieren sich stärker an der tatsächlichen Nutzung
    Im bisherigen Grundmodell setzen sich die Netzentgelte im Wesentlichen aus einem Leistungspreis auf Basis der gemessenen Jahreshöchstleistung und einem einheitlichen Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde zusammen. Künftig sollen die Netzentgelte modular aufgebaut sein: Vorgesehen ist ein Kapazitätspreis für eine vom Netznutzer gewählte Kapazität („Bestellleistung“) sowie zwei Arbeitspreise. Für Strommengen innerhalb dieser gewählten Kapazität fällt der niedrigere Arbeitspreis AP1 an; für Strommengen oberhalb der gewählten Kapazität der höhere Arbeitspreis AP2. Neben dem Kapazitätspreis und den arbeitspreisbasierten Bestandteilen zur Netzfinanzierung sieht die BNetzA zusätzlich eine Anreizkomponente vor. Diese soll über dynamische Preissignale netzdienliches Verhalten fördern. Für Stromspeicher diskutiert die Bundesnetzagentur zudem Sonderregeln, damit deren netz- oder marktdienliche Nutzung nicht durch Netzentgelte ausgebremst wird. Im Raum steht unter anderem, Arbeitspreise nur auf solche Strommengen zu erheben, die nach dem Einspeichern nicht wieder in das Netz zurückgespeist werden.
  • Flexibilität wird wirtschaftlich relevant
    Wer Lasten steuern kann, hat künftig direkte Kostenvorteile. So sollen bei geringerer Netzauslastung entsprechend weniger Kosten anfallen. Andersherum ergeben sich bei hoher Netzauslastung höhere Kosten für Energie. 
  • Mehr Beteiligte an den Netzkosten
    Künftig sollen weitere Netznutzergruppen stärker in die Finanzierung einbezogen werden. Außerdem will die Bundesnetzagentur vermeiden, dass Speicher für dieselben Energiemengen doppelt belastet werden – also sowohl beim Bezug als auch bei der Wiedereinspeisung.
 

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für Unternehmen heißt das konkret: Die Stromkosten lassen sich künftig weniger pauschal kalkulieren, sondern hängen stärker davon ab, wann und wie Energie genutzt wird.

 

Die AgNes-Reform macht deutlich, dass Energie vom reinen Kostenfaktor zu einem aktiv steuerbaren Hebel wird. Flexibilität soll gezielt wirtschaftlich attraktiv werden, um netzdienliches Verhalten zu fördern und die Netze zu entlasten. Für Unternehmen heißt das: Wer sein Energiesystem frühzeitig versteht und gezielt ausrichtet, schafft sich entscheidende Vorteile. Gerade Batteriespeicher sind dabei nicht nur mit Blick auf 2029 relevant. Sie bringen heute schon enorme wirtschaftliche Vorteile mit sich – indem sie Lastspitzen reduzieren, den Eigenverbrauch optimieren oder Strompreissignale flexibel nutzen. Gleichzeitig schaffen Batteriespeicher die Grundlage, um die neuen Netzentgeltregeln künftig bestmöglich zu nutzen. Ein Energiemanagementsystem, ein optimiertes Lastprofil und Batteriespeicher werden damit zu wichtigen Hebeln für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Bereite dich jetzt optimal auf AgNes vor

Viele Unternehmen werden sich in Zukunft damit beschäftigen müssen, wie sie ihren Energieverbrauch steuern, um Netzentgelte aktiv zu beeinflussen. Damit rückt ein Thema in den Fokus, das bisher oft im Hintergrund lief: das eigene Energieprofil.

 

Der erste Schritt besteht darin, Transparenz zu schaffen:

  • Wie verläuft der Stromverbrauch über den Tag und über das Jahr?
  • Wo entstehen Lastspitzen, die künftig Kosten treiben?
  • Welche Prozesse sind flexibel und können angepasst werden?

 

Auf dieser Basis lassen sich gezielt Maßnahmen ableiten. Dazu gehören insbesondere:

  • Aufbau eines Energiemanagementsystems (EMS), um Verbräuche sichtbar und steuerbar zu machen
  • Optimierung von Lastprofilen, um unnötige Spitzen zu vermeiden
  • Einsatz von Batteriespeichern, um Flexibilität technisch nutzbar zu machen

 

Genau hier setzen wir an. Wir betrachten nicht nur einzelne Komponenten, sondern das gesamte Energiesystem eines Unternehmens – von der Analyse bis zur Umsetzung. Ziel ist es, die neue Logik der Netzentgelte aktiv zu nutzen, statt später auf steigende Kosten reagieren zu müssen.

 

Die AgNes-Reform ist ein klarer Richtungswechsel: weg von statischen Kosten, hin zu einem System, das Verhalten bewertet und belohnt.

 

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